Im
Zusammenhang mit unserem Förderprojekt entstand vor Jahren dazu ein Promotion
(Dr. H. Rehlich, Begabungsausprägungen im Bereich der Mathematik –
Modellierungsansätze zur Verbesserung der Querdifferenzierung im
Schulunterricht, 1995), die nur ein erster Anfang sein kann und Nachfolgeprojekte
geradezu herausfordert.
Modellierung von kreativen
Theoriebildungsprozessen
Es gibt bei den Kognitionspsychologen eine
umfangreiche Literatur zum Problemlösen – leider jedoch zumeist nur an simplen,
weil dann sehr übersichtlichen Problemen – und praktisch keine zu den in der
Regel hochkomplexen Theoriebildungsprozessen. Es existieren in unserem Projekt
aussichtsreiche Ansätze, derartige Theoriebildungsprozesse als
Selbstorganisationsprozesse zu modellieren, die weiter verfolgt und mit Hilfe
systematischer und differenzierender Beobachtung der mathematischen Praxis zu
einer gewissen Ausreifung gebracht werden sollten.
Wie erhält man bei Testungen
mehr Informationen über die beteiligten Denkprozesse?
Sieht man sich die Bearbeitungen von üblichen, nach
dem multiple-choice-Prinzip gestellten Intelligenztestaufgaben an, so kann man
nur feststellen, ob der Proband sein Kreuz an der Stelle gemacht hat, die der
Aufgabensteller dafür vorgesehen hat, oder ob er solches nicht getan hat. Über
Denkprozesse, die zum „richtigen“ oder „falschen“ Ankreuzen geführt haben, gibt
es keine Information. Und die meisten der veröffentlichten PISA-Aufgaben sind
in dieser Hinsicht auch nicht viel besser.
Es
wurden innerhalb unseres Projekts Überlegungen angestellt und Möglichkeiten
diskutiert, wie man bei Testungen mehr über die Denkprozesse der Probanden
erfahren kann, die erprobt werden müßten.
Weshalb und wie
unterscheidet sich die Kommunikation zwischen (mathematisch) besonders Begabten
von der Kommunikation zwischen „Normalbegabten“?
Daß die Teilnehmer an unseren Förderkursen viel weniger sprechen und sich trotzdem viel besser und schneller verstehen, als dies bei Normalschülern der Fall ist, darauf hat uns einer unserer prominenten Besucher aufmerksam gemacht (Uns selbst war dieser Unterschied bis dahin noch nicht ins Bewußtsein gerückt). Und dieser prominente Besucher hatte bald auch eine Erklärung parat, die er dann auch veröffentlichte: Besonders Begabte bilden schneller subjektive Erfahrungsbereiche und holen solche schneller aus ihrem Wissensnetz in ihr Arbeitsgedächtnis. Dieses Phänomen sollte genauer untersucht werden.
Herausgabe unserer Materialien
Unsere auf Selbständigkeit und Simulation von Theoriebildungsprozessen angelegten Materialien sind von einer Art, die es auf dem Markt praktisch noch nicht gibt. Es bietet sich deshalb an, diese Materialien zu veröffentlichen. Um dabei nicht zu sehr dubiosen kommerziellen Aspekten ausgeliefert zu sein, wird erwogen, dafür einen eigenen kleinen Verlag zu gründen.